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Formschnitt
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Unter Formschnitt versteht man die Kunst, Pflanzen durch besondere Schnitttechniken in eine meist geometrische Form zu bringen und ihnen ein architektonisches, ornamentales oder figĂŒrliches Aussehen zu verleihen.

Contents

‱ Begriff
‱ Geschichte
‱ Antike
‱ Mittelalter
‱ Renaissance
‱ Barock
‱ Romantik
‱ Ostasien
‱ Praxis
‱ Verwendung
‱ Schnitt
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Begriff

Gelegentlich wird im Deutschen auch der Begriff Topiari verwendet. Er ist verwandt mit englisch topiary, wobei hierunter nur FormbĂ€umchen unter Ausschluss der Broderie verstanden werden. Topiary kommt indirekt vom griechischen Wort Ï„ÏŒÏ€ÎżÏ‚ tĂłpos „Ort, Landschaft“: Davon wurden im Lateinischen die Bezeichnungen topiarius fĂŒr „KunstgĂ€rtner“ und ars topiaria fĂŒr „Gartenkunst“ abgeleitet. Letzterer Ausdruck wurde ab der Renaissance fĂŒr den kunstvollen Pflanzenschnitt gebraucht. Auf Französisch heißt Formschnitt art topiaire.

Geschichte

Antike

Die Kunst des Formschnitts hat eine jahrtausendelange Tradition. Ägyptische Grabmalereien, persische Miniaturen und römische Fresken zeigen geformte Pflanzen. Man weiß von Gartensklaven griechischer Herkunft, den topiarii, die fĂŒr Kaiser und wohlhabende Familien im römischen Reich arbeiteten. Plinius der Ältere besaß WeingĂ€rten, die er mit Zypressen einfassen ließ. In seinem Werk Naturalis historia aus dem Jahr 70 nach Christus bemerkte er: 
 doch heutzutage werden sie gestutzt, um ihnen eine schlanke Gestalt zu geben. Manche werden auch kunstvoll zu Jagdszenen, Schiffsflotten und Nachbildungen anderer GegenstĂ€nde geschnitten.cite-ref-gartenkunst12-1-0[1] Sein Neffe Plinius der JĂŒngere beschrieb im Garten seiner Villa Laurentium eine Terrasse, umgrenzt von einer Hecke aus Buchs, die mit verschiedenen Formen verziert ist. Von dort fĂŒhrt ein Hang bergab, gesĂ€umt von einander gegenĂŒber stehenden Tierpaaren aus geschnittenem Buchs.cite-ref-gartenkunst12-1-1[1]

Mittelalter

Als das römische Weltreich im 5. Jahrhundert zerbrach, wurden vor allem in KlostergĂ€rten niedrige Hecken um die GemĂŒse- und KrĂ€uterbeete gezogen. Beispielhaft dafĂŒr ist der St. Galler Klosterplan aus dem frĂŒhen 9. Jahrhundert. Eine Sonder-Form des Pflanzenschnitts waren Tanz- und Gerichtslinden. Über großen Holzreifen wurden starke Äste flach gelegt, sodass eine begehbare FlĂ€che entstand, die man mit Dielen belegte. Tanzlinden stehen heute noch z. B. in Peesten, Grettstadt oder Sachsenbrunn.

Renaissance

In der Renaissance wurde der Formschnitt wiederbelebt. Die Architekten von Schlössern und Landsitzen legten formale GĂ€rten mit Terrassen und IrrgĂ€rten an. Im streng geometrischen Schema dienten die geschnittenen Gehölze als Strukturelemente. An den Höfen wurde Französisch gesprochen und auch die GĂ€rtner bedienten sich dieser Sprache. Sie schufen kunstvolle, mit niedrigen Hecken umgebene Beete, parterres genannt. Im Inneren der Einfassungen wuchsen im potager die KĂŒchenkrĂ€uter, im mĂ©dicinal die Arzneipflanzen und im bouquetier farbenprĂ€chtige Blumen. Der französische Schriftsteller Olivier de Serres (1539–1619) verglich den Entwurf eines Parterres mit der TĂ€tigkeit eines Malers. Die Beete sollte wie ein GemĂ€lde in einem kostbaren Rahmen wirken.cite-ref-2[2] Dieser Rahmen bestand vor allem aus Buchsbaum, aber auch aus Lavendel, Wermut, Heiligenkraut und Ysop.

Parterres mit geschwungenen und ineinander verschlungenen Mustern symbolisieren etwa Formen der Liebe, wie beim Garten der Liebe im Park von Schloss Villandry (Frankreich), wo Buchshecken zu Herzen, Schmetterlingen, Flammen, Masken, FĂ€chern oder Schwertern gestaltet sind. Vorlage fĂŒr den dortigen GemĂŒsegarten waren Stiche von Jacques I. Androuet du Cerceau von 1576.

Aus dieser Zeit stammen viele Topiari-GĂ€rten in England. WĂ€hrend der Regierungszeit Heinrichs VII. entstanden um 1500 KnotengĂ€rten aus geschnittenem Buchs oder Lavendel. Der Garten Heinrichs VIII. im Hampton Court Palace war mit Figuren wie rennenden Windhunden, Hirschen, BĂ€ren, Urnen und Booten bestĂŒckt. Sir George Sitwell schrieb 1909 in „On the Making of Gardens“: Selbst die Formschnittfiguren der Renaissance, die grĂŒnen Schiffe und Helme, Riesen, Drachen und Zentauren, hatten ihren Sinn. Weil sie so ungewöhnlich waren, erregten sie Aufmerksamkeit, förderten die Fantasie und stĂ€rkten die Erinnerung.cite-ref-gartenkunst10-3-0[3]

BerĂŒhmte GĂ€rten in Italien sind zum Beispiel die GĂ€rten der Villa Medici (Poggio a Caiano), der Villa d’Este, der Villa Lante, der Villa La Petraia oder auch der Giardino Giusti bei Verona. Der Architekt Leon Battista Alberti entwarf 1459 die Villa Quaracchi bei Florenz fĂŒr Giovanni Ruccellai. Dieser notierte in seinem Tagebuch Albertis EntwĂŒrfe fĂŒr Formschnittfiguren, nĂ€mlich Kugeln, SĂ€ulen, Tempel, Vasen, Urnen, Affen, Esel, Ochsen, ein BĂ€r, Riesen, MĂ€nner und Frauen, Krieger, eine Hexe, Philosophen, PĂ€pste und KardinĂ€le.cite-ref-gartenkunst12-1-2[1]

Um 1613 wurde der Hortus Eystettensis in EichstĂ€tt angelegt. Basilius Besler verfasste gleichnamiges Buch ĂŒber 1084 Pflanzen mit 367 Kupferstichen, nach dem 1998 der Bastionsgarten mit thematisch bepflanzten Beeten neu gestaltet wurde.cite-ref-4[4]

Von 1614 bis 1619 entstand der erste deutsche Renaissance-Garten, der Hortus Palatinus im Schlossgarten Heidelberg. Salomon de Caus entwarf ihn fĂŒr Friedrich V. mit vier Knotenbeeten aus unterschiedlich hohen und daher plastisch wirkenden PflanzenbĂ€ndern, die meist unterschiedliche Gehölz- und Staudensorten in mehreren Farbschattierungen enthielten.

1632 empfahl Peter Lauremberg in seinem Gartenbaulehrbuch Horticultura Liguster, Rosmarin, Blasenstrauch, Weißdorn, Wacholder, Berberitze, Lorbeer und Flieder fĂŒr den Formschnitt und gab detaillierte Anleitungen fĂŒr die Gestaltung von Hecken. GerĂŒste fĂŒr allerlei Figuren aus entrindeten Haselnussruten wurden demnach in den Wintermonaten hergestellt und im FrĂŒhjahr bepflanzt.

Barock

Ab dem Beginn des 17. Jahrhunderts entwickelten die höfischen Architekten den Barockpark als Teil des Gesamtkonzepts eines Schlosses. Der neue Gartenstil verbreitete sich bald ĂŒber ganz Europa. Vorbild fĂŒr viele GĂ€rten wurde der Garten von Versailles. Der HofgĂ€rtner Ludwigs XIV., AndrĂ© Le NĂŽtre, perfektionierte darin die Geometrie. In seinem von ‚beglĂŒckender Mathematik‘ bestimmten Gartenstil ordnen sich die Pflanzen mit ihren Eigenarten und Wirkungen der Architektur und Ornamentik des Gartens unter. Hainbuche und Buchsbaum sind – neben Stein, Holz und Wasser – die lebendigen Werkstoffe, mit deren Hilfe Linie und Quadrat, Arabeske und Palmette, Perspektive und Harmonie geschaffen werden.cite-ref-5[5] Die strengen Formen entsprachen der absolutistischen Regierung der französischen Könige. Der Mensch zwang die Natur in eine von ihm geschaffene Ordnung und steigerte dadurch die Wirkung der prachtvollen Architektur eines Schlosses. Der Nutzgarten wurde ausgegliedert, LustgĂ€rten entstanden. Die Umfassungen wurden zu verschlungenen Arabesken und Voluten zwischen farblich abgesetztem Kies oder Sand. Man nannte sie Broderien, da sie zierlichen Stickereien glichen. Bei mit hoher Kunstfertigkeit etagenförmig geschnittenen Eiben standen bis zu sieben tellerförmige Astreihen in gleichem Abstand ĂŒbereinander.

Nicht alle Zeitgenossen konnten sich fĂŒr diesen Gartenstil begeistern. 1625 beschrieb Francis Bacon in seinem Essay on Gardens solche Baumfiguren als kindisch.cite-ref-6[6] Auch Louis de Rouvroy, duc de Saint-Simon, beurteilte den Garten von Versailles skeptisch: Die GĂ€rten sind gewiss wunderbar, aber unerfreulich zu benutzen, und sie zeugen von schlechtem Geschmack. Man kann den kĂŒhlen Schatten nicht erreichen, ohne durch trockene Hitze zu gehen 
 Das Steinpflaster der Wege verbrennt die FĂŒĂŸe, doch wĂ€re es nicht da, wĂŒrde man im Sand oder schwarzen Schlamm versinken. Die Gewalt, die der Natur angetan wird, ist abstoßend.cite-ref-gartenkunst172-7-0[7] Bekannt sind auch die GĂ€rten von Schloss Vaux-le-Vicomte, Maincy, Ile-de-France und Het Loo in Belgien.

Der 1666 als Sommerresidenz fĂŒr Sophie, Ehefrau von FĂŒrst Ernst August angelegte Große Garten in Hannover-Herrenhausen ist der einzige Barockgarten in Deutschland, der in ursprĂŒnglicher GrĂ¶ĂŸe und Gestalt erhalten ist. Im 31000 Quadratmeter großen Barockparterre gibt es prĂ€chtige und reich gestaltete Buchsbroderien mit RasenstĂŒcken, KiesbĂ€ndern und Blumen. Der Monarch imitierte die französische Gartenkunst und die luxuriöse Hofhaltung nach dem Vorbild Ludwig XIV. Sein Gartenbaumeister Martin Charbonnier war SchĂŒler von AndrĂ© Le NĂŽtre wie auch Dominique Girard, der die GĂ€rten von Schloss Augustusburg in BrĂŒhl, Schloss Nymphenburg in MĂŒnchen, Schloss Schleißheim und Schloss Belvedere in Wien entwarf. Von 1744 bis 1764 wurde der Rokoko-Lustgarten Sanssouci fĂŒr Friedrich den Großen erbaut mit einem terrassierten Weinberg, Marmorkolonnaden und einem chinesischen Teehaus. Weitere bekannte BarockgĂ€rten in Deutschland befinden sich in Großsedlitz bei Dresden, WĂŒrzburg, Bayreuth und Schwetzingen.

Romantik

Im 18. Jahrhundert kam der streng gezirkelte Garten aus der Mode und damit auch der Formschnitt. Der englische Landschaftsgarten mit natĂŒrlich gewachsenen Gehölzen und StrĂ€uchern wurde bevorzugt. Gartenarchitekten gestalteten ehemals barocke GĂ€rten und Parks um. In der Romantik erreichte die Gestaltung von Pflanzen einen Tiefpunkt. Viele formale GĂ€rten wurden zerstört oder verwilderten entsprechend den romantischen Ideen ihrer Besitzer. In England warnte man, daß bei dem schnellen Umgreifen dieser Methode bald keine drei BĂ€ume mehr in einer Reihe stehen wĂŒrden.cite-ref-8[8]

19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert kehrten formale Gartenideen zurĂŒck und mischten sich mit anderen Stilelementen. Neue Formen wie Spiralen kamen auf, Pflanzenarten wie Rhododendren oder Ilex wurden zum Formschnitt verwendet. Zu Wohlstand gekommene Industrielle ließen reprĂ€sentative LandhĂ€user mit großen GĂ€rten erbauen, vor allem in England.

Der Earl of Barrington ließ von 1840 bis 1850 in Elvaston Castle, Derbyshire, einen großen viktorianischen Garten mit einer zehn Meter hohen Hecke aus alten Eiben, riesigen Topiary-Vögeln und anderen Figuren errichten. Manche davon wurden in der Baumschule Elvaston Nurseries schon fertig geformt, bevor sie in den Schlossgarten gebracht wurden. John Loudon berichtete: Viele große Pflanzen 
 mussten auf ihrer Reise 
 durch die Stadt Derby gebracht werden. Manche waren so riesig, dass die Fenster rechts und links der Straße zu Bruch gingen.cite-ref-gartenkunst12-1-3[1] Dieser Garten wurde zum Vorbild fĂŒr andere englische GĂ€rten. Der englische Adel ließ große und aufwĂ€ndige GĂ€rten anlegen, die Kosten fĂŒr die Erhaltung und Pflege fielen damals nicht ins Gewicht. Die GrĂ€fin von Westminster konnte daher 85 GĂ€rtner beschĂ€ftigen, 55 im Freien und 30 in den GewĂ€chshĂ€usern.cite-ref-gartenkunst172-7-1[7]

In Portugal wurden oft Kamelien fĂŒr den Formschnitt verwendet. Die chinesische Pflanze wurde zwischen 1800 und 1810 aus England eingefĂŒhrt und gedieh prĂ€chtig in dem warmen und feuchten Klima Nordportugals.cite-ref-9[9] Die Pflanzen sind oft ĂŒbermannshoch und sind entweder in geometrische Formen wie Zylinder, Obelisken oder Pyramiden geschnitten oder bilden Lauben ĂŒber einem HolzgerĂŒst (casa do fresco). Die Pflanzen blĂŒhen zwischen Januar und MĂ€rz und werden ab Juni beschnitten. Gute Beispiele sind in den GĂ€rten von Casa do Campo, Douro,cite-ref-10[10] Casa des Condes de Campo Belo in Vila Nova de Gaia,cite-ref-11[11] Quinta do Alao, Portocite-ref-12[12] und Casa dos Biscainhos in Bragacite-ref-13[13] zu finden.

20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert kamen formal gestaltete GĂ€rten der geradlinigen Architektur entgegen und passten sich ihr an. Namhafte Gartengestalter wie Edwin Lutyens, Gertrude Jekyll und Reginald Blomfield verteidigten die Kunst des Formschnitts; besonders letzterer lehnte naturnahe Pflanzungen ab und forderte eine RĂŒckbesinnung auf die Formschnittkunst des Mittelalters. Vor allem Firmen, Hotels, Banken und stattliche Stellen ließen mit vergleichsweise geringem finanziellen Aufwand streng und gerade deshalb sehr modern wirkende GĂ€rten anlegen. Sie sind jedoch nicht unumstritten. Das 20. Jahrhundert ist geprĂ€gt durch einen Ideologiestreit von Verfechtern und Gegnern des formalen Gartens und gestalteter Pflanzen 
 Formgehölze im Garten geben immer wieder Anlaß zur Bewunderung, aber sorgen manchmal auch fĂŒr Diskussionen. Oft wird von vergewaltigter Natur gesprochen.cite-ref-14[14]

Ein außergewöhnliches Beispiel ist der 1936 von JosĂ© Franco Guerrero umgestaltete Friedhof von TulcĂĄn in Ecuador, 150 Kilometer nördlich der Hauptstadt Quito. Er weist ein regelmĂ€ĂŸiges Rechteckmuster von Hecken und GĂ€ngen auf. Arkaden sind geometrisch oder figĂŒrlich bekrönt, es gibt Obelisken, Karyatiden und verschiedene Tiere. Auch sĂŒdamerikanische Helden, Inkas und Azteken wurden gestaltet. Riesige BĂ€ume bilden einen Elefanten oder einen Astronauten. In die Zypressenhecken sind kunstvolle Reliefs eingeschnitten.

Im Park der Schule fĂŒr Gehörlose in Columbus, Ohio, USA stellte der Bildhauer James Mason Georges Seurats GemĂ€lde Sonntag auf der Insel Grande Jatte auf 2000 Quadratmetern mit Formgehölzen nach. Es sind 50 Figuren an schwarz lackierten Eisengestellen, wobei die grĂ¶ĂŸte Figur 3,5 Meter hoch ist, weiter gibt es acht Boote, drei Hunde, einen Affen und eine Katze. Im Topiari-Garten von Pearl Fryar in Bishopville, South Carolina, USA, wachsen Hunderte von ungewöhnlich geformten BĂ€umen. Ein anderes Beispiel aus den USA ist der gepflegte Garten des Getty-Museums in Kalifornien.

Am Hilton Munich Airport entstand 1994 ein moderner Buchsgarten, den der amerikanische Landschaftsarchitekt Peter Walker entworfen hat. Sechs Meter hohe Hainbuchenpyramiden stehen zwischen Eibenkuben, es gibt Lavendelparterres und FlÀchen aus farbigem Kies. Im Sony-Center in Berlin wurde im Jahr 2000 ein weiterer Garten dieses Architekten angelegt. Unter einem rotierenden Baldachin aus Stahl und Glas wachsen zwei BuchsflÀchen mit 33000 Pflanzen, aus denen Pappeln, Birken und Linden ragen. Weitere bekannte Gartengestalter, die mit Formgehölzen arbeiten, sind Jacques Wirtz (Belgien) und Piet Oudolf (Niederlande).

Gegen Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat Topiari einen Siegeszug durch öffentliche und private GĂ€rten angetreten. 1996 wurde in England die Zeitschrift Topiarius gegrĂŒndet. In BauerngĂ€rten wird die Idee der KlostergĂ€rten aufgegriffen, in einer rechteckigen oder quadratischen Anlage die Beete mit Buchsbaumhecken einzufrieden. Oft gibt es auch ein Wegekreuz in der Mitte des Gartens, das manchmal zu einem Rondell mit einer auffĂ€lligen SolitĂ€rpflanze, einem BrĂŒnnlein oder einer Statue erweitert ist.

Öffentliche FreiflĂ€chen werden mit Zwergmispel oder Kriechspindel bepflanzt; Buchse, Eiben und Bambusse lassen sich zeitgemĂ€ĂŸ arrangieren und mit natĂŒrlich gewachsenen Pflanzen kombinieren. Buchskugeln stehen inzwischen in vielen GĂ€rten auf dem Rasen, in Rabatten und im Zentrum von KrĂ€utergĂ€rten. Baumschulen und Gartencenter bieten eine große Auswahl an fertig geschnittenen Pflanzen an.

Die zunehmende Ausbreitung des Schlauchpilzes Cylindrocladium buxicola, der zum Absterben der befallenen BuchsbĂ€ume fĂŒhrt, setzt der Ausbreitung dieser Nutzungsart jedoch zunehmend Grenzen. Der Pilz scheint sich besonders durch LaubblĂ€ser in GĂ€rten und Parks auszubreiten.

Ostasien

Die fernöstliche Gartenkunst weicht erheblich von der europÀischen ab.

Die chinesischen GĂ€rtner streben danach, Erde, Himmel, Steine, Wasser, GebĂ€ude, Wege und Pflanzen in Harmonie zu vereinen. Bonsai und Ă€sthetisch durchgeformte BĂ€ume wie Kiefern oder Ahorne stehen vor einer weißen Wand oder neigen sich ĂŒber eine WasserflĂ€che. Der Garten ist eine verkleinerte, idealisierte Landschaft und wird als abstraktes Kunstwerk verstanden. Durch stĂ€ndigen RĂŒckschnitt von Wurzeln, Trieben und BlĂ€ttern bleibt der Wuchs begrenzt; einmalige und individuelle Pflanzengestalten entstehen. Die Wuchsform junger GewĂ€chse wird, z. B. durch Drahtung, so geformt, dass sie das Erscheinungsbild eines gealterten Baumes erhalten. Es gibt strenge Regeln fĂŒr den Formschnitt und die Platzierung der einzelnen Pflanzen.

Schilderungen davon gelangten um 1600 durch erste Reisende nach Fernost und die Ostindischen Kompanien nach Europa. Der Franziskaner Mattes Ripa brachte von seiner Chinareise Kupferstiche mit, die den englischen Hochadel entzĂŒckten und in der Folge eine Mischform aus geometrischem und natĂŒrlichem Garten hervorbrachten, nĂ€mlich den Jardin chinois-anglais.

Im Rokoko-Lustgarten Sanssouci Friedrichs des Großen wurde wie in vielen anderen Parks dieser Zeit ein chinesisches Teehaus errichtet. Im 20. Jahrhundert entstanden, auch durch das neue Interesse an fernöstlichen Philosophien, viele chinesische GĂ€rten, etwa in MĂŒnchen, Frankfurt, ZĂŒrich oder Vancouver.

Praxis

Verwendung

Formschnittpflanzen werden aufgrund ihrer dominanten Wirkung meist sparsam eingesetzt. Ausnahmen bilden ausgesprochene Topiari-GĂ€rten oder Bonsai-Sammlungen. Wenige, aber robuste und bewĂ€hrte Arten werden der GartengrĂ¶ĂŸe und dem Gartenstil angepasst. Sie bringen je nach Schnittform Ruhe oder Bewegung in den Gartenraum. Kugeln oder Quader wirken statisch, Spiralen, kurvig angelegte Hecken oder Wege dynamisch. Gewölbe GehölzflĂ€chen und Gestaltungselemente, die sich wiederholen, erzeugen Rhythmik und Spannung. Farbkontraste entstehen zum Beispiel, wenn dunkles und helles Laub kombiniert wird, helle Pflanzen vor einem dunkelgrĂŒnen Eibenhintergrund stehen oder Schnee die Schnittformen nachzeichnet und betont. Durch die Kombination verschieden großer GewĂ€chse in Gruppen ergeben sich GrĂ¶ĂŸenkontraste, ebenso wenn sich eine SolitĂ€rpflanze ĂŒber eine FlĂ€che aus niedrigen Bodendeckern erhebt. Formkontraste erzeugt der GĂ€rtner, indem er runde und eckige, breite und schmale, spitze und stumpfe Pflanzengestalten zusammenstellt.

Geschnittene Hecken trennen GartenrĂ€ume, dienen als Sicht- und Schallschutz, bilden eine Abgrenzung zu NachbargĂ€rten und werden hĂ€ufig als Hintergrund fĂŒr farbenprĂ€chtige Blumenrabatten verwendet. Raumachsen lenken den Blick in bestimmte Richtungen, Wege werden von Wacholderalleen oder Buchskugelreihen begleitet, wie im Blandy's Garden auf Madeira. Besonders auffĂ€llig wirken alle SolitĂ€rpflanzen; BlickfĂ€nge wie große Tierfiguren stehen beispielsweise in den Green Animals Topiary Gardens in Portsmouth, Rhode Island, USA, im König-Rama-IX.-Park in Bangkok und in Mumbai, Indien in den Ferozeshah Mehta Gardens, wo sich hĂ€ngende GĂ€rten mit lebensgroßen Giraffen, Elefanten und Affen befinden.

Pflanzenauswahl

Entscheidend fĂŒr die Wahl der zu formenden Pflanzen sind Wuchsform, WuchsstĂ€rke, Belaubung, BlĂŒte und Fruchtschmuck, aber auch BodenansprĂŒche, StandortwĂŒnsche, FrosthĂ€rte, Resistenz gegen SchĂ€dlinge und Krankheiten sowie SchnittvertrĂ€glichkeit mĂŒssen beachtet werden. Der beliebte Buchsbaum etwa wird zunehmend vom Triebsterben, Buchsbaumkrebs und der Buchswelke befallen, zudem gibt es seit einigen Jahren Kahlfraß durch den BuchsbaumzĂŒnsler.

Klassische Heckenpflanzen sind winterharte Laub- oder Nadelgehölze wie Eibe, Thuja, Scheinzypresse, Buchsbaum, Hainbuche, Liguster, Feuerdorn und Berberitze. Weißdorn, Feld-Ahorn, Stechpalme und Wacholder wirken besonders als SolitĂ€r. Forsythien, Rhododendren und Azaleen sind zu Kugeln geschnitten ein außergewöhnlicher Schmuck.

In SchlossgĂ€rten findet man gelegentlich BaumwĂ€nde aus Winter-Linden, Rotbuchen, Hainbuchen, Mispeln oder Platanen. Sie haben zu Kugeln oder Quadern gestutzte Kronen oder bilden mit ihren in gleichmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden befindlichen StĂ€mmen und an DrĂ€hten gebundenen Ästen lange Alleen.

An Spalieren werden vorzugsweise Birnen, Äpfel, Pfirsiche und Trauben gezogen. Als HochstĂ€mmchen können unter anderem Glyzine, WeidenblĂ€ttrige Birne, Ginkgo, Weide, Olivenbaum oder Lorbeer geformt werden. Aber auch Strauchmargerite, Fuchsie und Wandelröschen sind als Terrassenschmuck beliebt. FĂŒr GehölzflĂ€chen sind Buchsbaum, Zwergmispel oder Spindelstrauch geeignet, ebenso Eibe, Japanische Stechpalme oder Diamant-Azalee. Bei dieser Alternative zum Rasen ist der Pflegeaufwand gering und es gibt keine Probleme mit Unkraut.

Mediterrane HalbstrĂ€ucher wie Echter Lavendel, Rosmarin, Edel-Gamander und Graues Heiligenkraut werden gerne fĂŒr Einfassungen im GemĂŒsegarten verwendet, da graue Belaubung, BlĂŒtenfarbe und Duft fĂŒr Abwechslung sorgen. Bonsai gestaltet man vorwiegend aus Kiefer, Japanischer Stechpalme, Liguster oder FĂ€cher-Ahorn. Groß-Bonsai können eine beachtliche Höhe erreichen und werden vor allem als Blickfang in chinesisch oder japanisch inspirierten GĂ€rten eingesetzt. FĂŒr PflanzkĂŒbel eignen sich die meisten der aufgefĂŒhrten GewĂ€chse, aber auch Efeu, der in kurzer Zeit Drahtgestelle und RankgerĂŒste ĂŒberzieht und ausfĂŒllt.

Schnitt

Pflanzen wachsen im Allgemeinen in die Höhe, wobei die oberste Triebspitze bevorzugt wird (Apikaldominanz). Schneidet man den Mitteltrieb weg, werden durch hormonelle Reize sogenannte Schlafende Augen und seitliche Knospen angeregt und treiben aus. Durch das Entfernen auch dieser Triebe entsteht der gewĂŒnschte buschige Wuchs mit einer dichten OberflĂ€che.

Der erste Schnitt ist der Gestaltungsschnitt. Hierbei legt man zunĂ€chst die grobe Form fest. Im Erhaltungsschnitt wird eine immer dichter werdende Verzweigung angestrebt. Die endgĂŒltige GrĂ¶ĂŸe der Pflanze kann durch mehr oder weniger starke EinkĂŒrzung prĂ€zise bestimmt werden. Ältere Pflanzen werden durch einen meist in Etappen durchgefĂŒhrten VerjĂŒngungsschnitt (siehe auch unter Kappung (Baum)) bis ins alte Holz zum Neuaustrieb angeregt. Man schĂŒtzt sie anschließend mit Schattierleinen und verhindert so SchĂ€den durch Austrocknung. Der Formschnitt erfolgt ĂŒblicherweise im Juni. Junge und wĂŒchsige Pflanzen werden oft zweimal, im MĂ€rz und Ende Juni geschnitten, komplizierte Figuren auch öfter.

Werkzeuge und Hilfsmittel

Manuelle SchneidgerĂ€te sind Heckenschere, Gartenschere, Schafschurschere, Baumschere oder BaumsĂ€ge. Rasenkantenscheren und Heckenscheren in verschiedenen GrĂ¶ĂŸen gibt es auch elektrisch betrieben oder als AkkugerĂ€t. Zum Schneiden gerader Formen sind Richtschnur, Messlatte und Senklot unerlĂ€sslich. FĂŒr große Pflanzen braucht man Leitern oder ArbeitsbĂŒhnen. Manche GĂ€rtner verwenden halbkreisförmige Schablonen, um exakte Kugeln zu schneiden. Das Buchsbaumparterre im Kloster San Lorenzo de Trassonto in Santiago de Compostela aus der Mitte des 17. Jahrhunderts ist so dicht verwachsen, dass es nur von oben mit Hilfe eines GerĂŒsts geschnitten werden kann.

Die Pflanzen können auch an einem metallenen RankgerĂŒst, einer Kletterhilfe aus Holz, Bambus oder Weide und mit Hilfe eines Drahtgestells zu der endgĂŒltigen Form erzogen werden. Bei Groß-Bonsai wird das Astwerk durch StĂ€be, SchnĂŒre und BefestigungsbĂ€nder in die gewĂŒnschte Position gebracht.

Literatur

nach Autoren alphabetisch geordnet

‱ Helena Attlee: The gardens of Portugal. Frances Lincoln, London 2007
‱ Heinrich Beltz: Formgehölze: Anzucht und Pflege. Blackwell Wissenschafts-Verlag, Berlin 1999. ISBN 3-8263-3220-2
‱ Heinrich Beltz: Formgehölze schneiden. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 2007. ISBN 978-3-8001-5429-6
‱ Rolf Blancke: Kunstwerke in GrĂŒn. Formgehölze erziehen und pflegen. 2. Auflage. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 1997. ISBN 3-8001-6629-1
‱ Gordon Gaylor und Guy Cooper: Gartenkunst. GrĂŒne Obsessionen. Verlag Busse und Seewald, Herford 2000. ISBN 3-512-03212-5
‱ Christa Hasselhorst: Gut in Form. Die alte Kunst des Formschnitts wird bei Hobby- und ProfigĂ€rtnern immer beliebter, in: F.A.S. Nr. 2, 14. Januar 2018, S. 59.
‱ Thomas Scheliga: ARS TOPIARIA der Renaissance und des Manirismus in Europas FĂŒrstengĂ€rten. Ein Beitrag zum JubilĂ€um „400 Jahre Lustgarten in Hessen am Fallstein“. In: Die Gartenkunst 23 (1/2011), S. 55–70.
‱ Gerda Tornieporth: Buchs im Garten. BLV Verlagsgesellschaft, MĂŒnchen 2001. ISBN 3-405-16058-8
‱ Gerda Tornieporth: Das große Buch vom Buchs. BLV Buchverlag, MĂŒnchen 2005. ISBN 3-405-16808-2
‱ DorothĂ©e Waechter: Formschnitt Schritt fĂŒr Schritt. BLV Buchverlag, MĂŒnchen 2011. ISBN 3-405-16840-6
‱ Clemens Alexander Wimmer: Ars Topiaria: Die Geschichte des geschnittenen Baumes. In: Die Gartenkunst 1 (1/1989), S. 20–32.

Weblinks

Commons

: Topiari

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ European Boxwood and Topiary Society (englisch)
‱ Boxwood Garden, Stately Hedges, Edges & Topiary (englisch)
‱ Topiary Arts (englisch)

Einzelnachweise

cite-note-gartenkunst12-11. ↑ Gaylor/Cooper, S. 12
cite-note-22. ↑ Gerda Torniepoth: Buchs im Garten. BLV Verlagsgesellschaft, MĂŒnchen 2001, S. 13
cite-note-gartenkunst10-33. ↑ Gaylor/Cooper, S. 10.
cite-note-44. ↑ Bastionsgarten mit Pflanzen aus dem Hortus Eystettensis. Informationsportal der Stadt EichstĂ€tt.
cite-note-55. ↑ Gerda Torniepoth: Das große Buch vom Buchs. BLV Buchverlag, MĂŒnchen 2005, S. 11
cite-note-66. ↑ DorothĂ©e Waechter: Formschnitt.BLV Buchverlag, MĂŒnchen 2005, S. 10
cite-note-gartenkunst172-77. ↑ Gaylor/Cooper, S. 172
cite-note-88. ↑ Blancke, S. 15
cite-note-99. ↑ Attlee, S. 23.
cite-note-1010. ↑ Attlee, S. 65.
cite-note-1111. ↑ Attlee, S. 26.
cite-note-1212. ↑ Attlee, S. 33.
cite-note-1313. ↑ Attlee, S. 45.
cite-note-1414. ↑ Blancke, S. 17.